Humanismus Stiftung Berlin

Aktuell

Umfrage zu Konfessionsfreien in Berlin

Dreiviertel aller Berliner haben eine säkulare Lebensauffassung
Humanismus Stiftung Berlin präsentiert EMNID-Umfrage

Das Meinungsforschungsinstitut EMNID hat im Auftrag der Humanismus Stiftung Berlin, des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Landesverband Berlin-Brandenburg, sowie der Giordano-Bruno Stiftung für ihre Forschungsgruppe Weltan-schauungen in Deutschland (fowid) im März/April 2016 eine Umfrage durchgeführt, die sich speziell und repräsentativ auf Berlin bezog.

Die Ergebnisse dieser Studie wurden am 6. Juni 2016 im „Roten Rathaus“ im Rahmen der Tagung der säkularen Verbände Berlins zu "Frieden und Orientierung - Dialog der Weltanschauungen - Humanistische Beiträge zur offenen Gesellschaft" der Öffentlichkeit vorgestellt.

61 Prozent der Berliner gehören keiner Religionsgemeinschaft an, 21 Prozent sind Mitglieder der evangelischen Landeskirche bzw. einer evangelischen Freikirche, 9 Prozent gehören zur römisch-katholischen Kirche.

Teil der Befragung war auch die Frage nach der persönlichen Lebensauffassung, die sich darin ausdrückte, ob man der folgenden Auffassung (voll und ganz bzw. eher) zustimmte oder sie (eher oder voll und ganz) ablehnte: „Inwieweit trifft die folgende Lebensauffassung auf Sie persönlich zu: Ich führe ein selbstbestimmtes Leben, das auf ethischen und moralischen Grundüberzeugungen beruht und frei ist von Religion und Glauben an einen Gott“.

Die Ergebnisse sind überraschend, da sie in mehrfacher Hinsicht von den formalen Konfessionszugehörigkeiten abweichen.

74 Prozent der Befragten stimmen dieser Lebensauffassung zu, „voll und ganz“ (42 %) bzw. eher (32 %). Das verweist darauf, dass auch formal christliche Kirchen-mitglieder dieser Auffassung sind.

Ja, sogar die Mehrheit der Katholiken (57 %) und der Evangelischen (64 %) in Berlin stimmen dieser religionsfreien/gottlosen Lebensauffassung voll und ganz bzw. eher zu.

Aber auch bei den Konfessionslosen, die zu 85 Prozent diese Lebensauffassung ver-treten – und damit eine größere Homogenität aufweisen als die Kirchenmitglieder – sind es andererseits 13 Prozent der Befragten, die nicht dieser Auffassung sind.

Das verweist darauf, dass die Argumentation der Kirchen, die stets die große Zahl ihrer Kirchenmitglieder ins politische Feld führen, inhaltlich sehr fragwürdig ist. Diese Situation gilt ebenso für ganz Deutschland, wenn auch in etwas abgeschwächter Form.

Bemerkenswert ist zudem, dass die Zustimmung zur säkularen Lebensauffassung mit steigendem Bildungsgrad wächst.

1,2 Mio. Berliner sind bereit säkulare Dienstleistungen zu unterstützen

Eine weitere Frage lautete: „Nicht-religiöse Organisationen und Verbände bieten z.B. mit Kindertagesstätten, Beratungsstellen und lebensbegleitenden Feierangeboten eine breite Palette an kulturellen und sozialen Dienstleistungen an. Könnten Sie sich vorstellen, solche Organisationen als Mitglied, durch Spenden oder ehrenamtliche Tätigkeit zu unterstützen?“

41 Prozent der Befragten erklären, dass sie bereit wären, solche nicht-religiösen kulturellen und sozialen Dienstleistungen aktiv zu unterstützen.

Geht man jedoch von diesen 41 Prozent bereitwilligen Unterstützern aus, so sind das - bezogen auf die 2,98 Millionen der Bevölkerung Berlins der über 14-jährigen – rund 1,2 Millionen Berliner, die ein zu aktivierendes säkulares Potential darstellen – in die-sem Zusammenhang wohl eher und vor allem für den Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg.

Dabei sind es überdurchschnittlich die Jüngeren (14 bis 29 Jahre alt = 51 %, 30 bis 39 Jahre = 50 %) und die Personen mit höheren Bildungsabschlüssen Abitur bzw. Universität (51 %).

Und es sind, was allerdings nur auf den ersten Blick überraschend erscheint, auch Kirchenmitglieder, die zu dieser Unterstützung eher bereit sind.

49 Prozent der Katholiken, 42 Prozent der Evangelischen und 38 Prozent der Kon-fessionslosen sind bereit nicht-religiöse Verbände bei kulturellen und sozialen Dienst-leistungen zu unterstützen. Die Mehrheit sind zwar die Konfessionslosen, aber es zeigt doch, dass Kirchenmitglieder eine höhere Bereitschaft aufweisen, sich gesell-schaftlich einzumischen.

Carsten Frerk
Eine ausführliche Darstellung der Umfrage finden Sie hier (Materialien und Dokumente)

Jubiläum: 10 Jahre Humanismus Stiftung Berlin

Empfang

Über 300 Gäste waren am 24. Januar 2016 in die Max-Taut-Aula in Berlin-Lichtenberg gekommen,  um das 10-jährige Bestehen der Stiftung zu feiern.  Zu diesem Anlass hatte auch der HVD Berlin-Brandenburg geladen, um gemeinsam den über 1.100 Zeit- und Geldspendern_innen für ihr Engagement zu danken. Das Kulturprogramm an diesem Vormittag bestritten die Eastside Fun Crew und das vielfach ausgezeichnete Theater RambaZamba. Mit großem Applaus wurden die von beiden Ensembles gemeinsam erarbeiteten Stücke bedacht.

Break Dance

In seiner Begrüßung zeigte sich Manfred Isemeyer, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, davon überzeugt, dass eine starke Bürgergesellschaft  der entscheidende Faktor sei, die Zukunftsfähigkeit unser Gesellschaft, Wohlstand und sozialen Frieden zu sichern. „Aufgrund ihrer Charakteristika sind Stiftungen prädestiniert, als Akteure der Zivilgesellschaft eine besondere Rolle wahrzunehmen, weil ihre Gestaltungsmöglichkeiten vielfältig sind. Denn im Gegensatz zum Staat sind sie frei, sich einem Thema ohne politischen Druck zu widmen. Sie haben alle Freiheit, unkonventionell zu denken und aufgrund ihrer Nachhaltigkeit neue Lösungen etwa für soziale Probleme zu finden. Als Struktur- und Ideengeber können Stiftungen innovative Projekte vorantreiben.“

Manfred Isemeyer führte weiter aus, dass die Stiftung seit ihrer Gründung u.a. Einrichtungen und Projekte des Humanistischen Verbandes in Höhe von 107.000 Euro gefördert habe. In einem eigens zum Jubiläum der Stiftung produzierten Film konnten die Gäste einige exemplarische Beispiele humanistischer Stiftungspraxis betrachten.  In einer Videobotschaft des Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen betonte Prof. Dr. Hans Fleisch die Wichtigkeit bürgerschaftlichen Engagements und wünschte der Humanismus Stiftung Berlin eine erfolgreiche Zukunft.


Zwei von der Stiftung 2015 geförderte Projekte, den Tagestreff MUT, der wohnungslose Menschen betreut, und die Jungen Humanist_innen,  stellte anschließend der stellvertretende Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Frank Schrammar,  im Gespräch mit zwei Mitarbeiterinnen des Verbandes vor. Katrin Schwabow, Leiterin der Wohnungslosenarbeit im HVD, dankte für die finanziellen Mittel, mit denen u.a. die Sanitäranlagen renoviert werden konnten. Jessica Roberts, Projektleiterin bei den Jungen Humanist_innen, freute sich über die Förderung, mit der ein Bundestreffen des Jugendverbandes finanziert wurde.

Zum Abschluss der Veranstaltung wartete ein Flying Büffet und eine Geburtstagstorte auf die Gäste.

HVD - Humanismus Stiftung Gala

Personalia

Veränderungen hat es in den letzten Monaten im Stiftungsrat gegeben: Dr. Bruno Osuch, der das Gremium seit Gründung der Humanismus Stiftung Berlin leitete, ist aus Berlin fortgezogen und hat deshalb den Staffelstab weitergereicht. Als neuer Vorsitzender des Stiftungsrates wurde Jan Gabriel gewählt, der gleichzeitg auch Präsident des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg ist. Damit bleibt die enge Verbindung zwischen Stiftung und Verband auch personell weiterhin gewährleistet.

Ausgeschieden aus dem Stiftungsrat ist Franz Plich.

Chinesische Delegation zu Besuch

Im November traf der Vorstand unserer Stiftung zu einem Informationsgespräch mit einer Delegation aus der Volksrepublik China zusammen. Die Delegationsmitglieder befanden sich auf einer Rundreise durch Deutschland und wollten sich über das deutsche Stiftungswesen und die rechtlichen Bedingungen der Gemeinnützigkeit informieren, da sie in ihrem Heimatland mit der Registrierung und Aufsicht über Nicht-Regierungs-Organisationen befasst sind. In dem Meinungsaustausch konnte ausführlich über die Arbeit der Humanismus Stiftung Berlin berichtet werden.

Dialog der Weltanschauungen

Auf Einladung des Berliner Senats treffen sich seit zwei Jahren verschiedene säkulare Organisationen zum „Dialog der Weltanschauungsgemeinschaften“.  Die Humanismus Stiftung beteiligt sich an diesen Gesprächsrunden. Im Juni 2016 konnte eine gut besuchte Veranstaltung im Roten Rathaus zum Thema „Frieden und Orientierung – Humanistische Beiträge zur offenen Gesellschaft“ organisiert werden.  Aktuell  wird mit den Verantwortlichen des Deutschen Evangelischen Kirchentages, der 2017 in Berlin stattfinden wird, über eine Beteiligung der Säkularen an dieser Veranstaltung diskutiert.

Deutscher StiftungsTag 2017

Der Deutsche StiftungsTag ist Europas größter Stiftungskongress. Rund 1.800 Stifterinnen und Stifter, Geschäftsführer und Stiftungsmitarbeiter sowie Multiplikatoren kommen auf dieser dreitägigen Veranstaltung zusammen, um sich auf rund 100 Einzelveranstaltungen zu informieren, sich auszutauschen und miteinander zu vernetzen. Der StiftungsTag 2017 findet vom 17. bis 19. Mai in Osnabrück statt und hat den inhaltlichen Schwerpunkt: Lebenslanges Lernen – Bildung als Gemeinschaftsaufgabe. Stiftungen und ihr Beitrag dazu.

Kirchliches Stiftungswesen

Über 30.000 kirchliche Stiftungen gibt es nach Schätzungen des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Deutschland – und jedes Jahr kommen neue hinzu. Der Autor Erik Dorn hat sich im Humanistischen Pressedienst kritisch mit dem kirchlichen Stiftungswesen beschäftigt. Seinen interessanten Artikel kann man nachlesen unter:

http://hpd.de/artikel/kirchen-gehen-stiften-13347

Stiftung Planetarium Berlin gegründet

Nach einem vierjährigen Prozess  sind seit Juli 2016 die Berliner Archenhold-Sternwarte, die Wilhelm-Foerster-Sternwarte mit dem Planetarium am Insulaner und das Zeis-Großplanetarium in einer rechtsfähigen Stiftung des öffentlichen Rechts vereint. Mit der Fusion in der Stiftung Planetarium Berlin werde das Ziel verfolgt, zum ersten Standort für astronomische Populärwissenschaft in Deutschland zu werden. Für das Jahr 2017 erhält die Stiftung vom Land Berlin einen Zuschuss von über 2,4 Millionen Euro jährlich.